Kategorie: Gesellschaft (Seite 1 von 2)

Strategisches Framing

Einen Deutungsrahmen herstellen, Dinge in einen Rahmen stellen, Inhalte darstellen. Der Unterschied zwischen FakeNews und Framing wird deutlich. In diesem Buch gibt es neben der Einführung gute Beispiele, wie geframed wird. Drei Beispiele zeigt der Blog auf. Einen großen Anschnitt widmet der Autor dem strategischen Framing und seinen Techniken. Ebenso kommt das Frame-Building und das Frame-Setting zu Wort. Spannend gemacht und ein Gewinn für die Öffentlichkeitsarbeit. 

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»Wir müssen widersprechen«

Der Autor Hasnain Kazim über den richtigen Umgang mit Hassmails und die Kultur des Streitens

oder die Möglichkeiten und Grenzen eines erfolgreichen Konfliktmanagements…

Im öffentlichen, privaten und betrieblichen Raum stellt das Konfliktmanagement eine besondere Herausforderung dar, wobei an zentraler Stelle eines erfolgreichen Managements steht, im Vorfeld die Möglichkeiten und Grenzen zu prüfen und die zu erreichenden Ziele zu formulieren.

Die große Zahl der gescheiterten Konfliktlösungen ist begründet durch eine mangelhafte Analyse des Konflikts, wobei z. B. eine ausreichend große Bereitschaft zur Konfliktlösung oder zur Kommunikation zwischen den Konfliktparteien nicht geprüft wurde – und bewusste und unbewusste realitätsferne Ziele in den Hinterköpfen schlummerten.
Übrigens: Eines der Gradmesser für die Qualität eines Teams, ist seine Fähigkeit für ein erfolgreiches Konfliktmanagement!

Gegenwärtig ist die Konfliktentwicklung und -bearbeitung in den sozialen Medien und Netzwerken ein beherrschendes Thema, wo Personen des öffentlichen Lebens, Vorgesetzte, Kolleg*innen, Betriebsrät*innen es mit anonymen Konfliktgegnern zu tun haben.

Interview mit Hasnain Kazim
(Weser-Kurier, 13. Februar 2020)

Herr Kazim, Sie haben nach »Post von Karlheinz« ein weiteres Buch mit Beispielen und Anleitungen zur Auseinandersetzung mit Pöblern und Populisten veröffentlicht. Warum?
Hasnain Kazim: Ich habe sehr viele Erfahrungen mit Menschen machen müssen, die mich beschimpfen und beleidigen. Es vergeht kein Tag, an dem ich keine Hassmails bekomme. Und ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die unsicher sind, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Ich halte es für wichtig, zu reagieren, sich zu wehren und andere in die Schranken zu weisen, wenn sie Grenzen überschreiten. Denn es gibt in einer zivilisierten Gesellschaft Grenzen des Sagbaren. Sie werden nicht vom Strafrecht bestimmt, sondern von Moral und Anstand. Eine Diskussionskultur verdient ihren Namen nur, wenn man die ausschließt, die von sich geben, was jenseits des Sagbaren liegt.

Sie bedienen sich verschiedener Varianten, um Paroli zu bieten: betonter Höflichkeit, Sarkasmus, Spott, Zurückgepöbel sowie Ignoranz. Ein Patentrezept haben Sie ausdrücklich nicht, Sie empfehlen aber grundsätzlich, sich sozusagen mit Hingabe zu streiten.
Wir müssen den Mut haben, uns zu streiten. Wir müssen widersprechen, wir müssen uns auseinandersetzen, unsere Stimmen hörbar machen, gerade gegenüber Pöblern und Populisten vom rechten Rand.

Kann man mit Reaktionen dort irgendetwas erreichen?
Meiner Erfahrung nach bewirke ich etwas bei Pi mal Daumen einem Viertel der Menschen, mit denen ich mich auseinandersetze. Mit ihnen kommt es zu einem inhaltlichen Austausch, zum Austausch von Argumenten und auch zu Einsichten. Drei Viertel pöbeln weiter, einerlei wie ich reagiere, manche hören auch damit auf. Dann habe ich wenigstens erreicht, dass sie den Mund halten.

Bieten Sie alleine durch Ihren Namen und die Herkunft Ihrer Eltern eine größere Angriffsfläche als andere?
Ganz sicher. Es gibt Menschen, die sind der Meinung, dass ich niemals ein gleichwertiges Mitglied dieser Gesellschaft sein kann, dass ich kein richtiger, sondern höchstens Passdeutscher sein kann. Selbst wenn ich Artikel schreibe, die gar nichts mit Rechtspopulismus, der AfD oder dem Islam oder anderen Themen zu tun haben, die Pöbler und Populisten triggern, werde ich angefeindet. Ich habe zu einem Reisebericht über eine Fahrradtour an der Donau Mails bekommen, deren Absender sich darüber empörten, dass sich ein Ausländer herausnehme, Deutschen Reiseempfehlungen zu geben.

Teilen Sie den Befund, dass der Ton allgemein rauer geworden ist?
Auf jeden Fall. Je mehr Leute herumpöbeln und -beleidigen und je weniger Leute widersprechen, desto mehr wächst die Akzeptanz dieses Verhaltens. Wenn ein US-Präsident jeden Tag bei Twitter Niedertracht und Beleidigungen verbreitet, hat das Folgen, ganz klar. Er hat durch seine gesellschaftliche Position eine Vorbildfunktion inne, auch in seiner Kommunikation. Und Trump ist ja nicht der Einzige, der in dieser Form kommuniziert.

Grundsätzlich scheinen sich Meinungen sehr stark voneinander abzugrenzen oder sich sogar ausschließlich an der Abgrenzung zu schärfen. Die Kommunikation scheint oft gar nicht auf Diskurs oder Austausch angelegt zu sein.
Das Problem ist, dass die Zahl derer, die herumpöbeln und sprachlich entgleisen, überhandgenommen hat. Man hat einfach zu lange zu viel erduldet und unwidersprochen hingenommen. Jeder kann zu allem seine Meinung sagen, aber er muss damit leben, dass er damit auf Widerspruch stößt. Meinungsfreiheit heißt nicht Widerspruchsfreiheit. Man kann die Flüchtlingspolitik kritisieren, aber wenn irgendwer irgendwem Gewalt androht oder den Tod wünscht, ist einfach Schluss. Diese Menschen müssen Konsequenzen zu spüren bekommen. Man muss ihnen entgegentreten.

Sie haben kürzlich ein Angebot zum Widerspruch abgelehnt. Sie waren als Gast in einer Talkshow vorgesehen, ebenso wie Thilo Sarrazin. Sie haben abgelehnt. Darf Herr Sarrazin keine Meinung haben?
Doch, selbstverständlich. Aber Sarrazin konstruiert teils haarsträubende Argumente, die keiner Überprüfung standhalten. Er schert ganze Bevölkerungsgruppen über einen Kamm, meistens negativ. Das ist keine Grundlage für eine Diskussion. Andere können das machen, aber ich halte nicht als Staffage für seinen Auftritt her.

Sie schreiben in Ihrem Buch: »Um Leute mit undemokratischen Ideen von der Macht fernzuhalten, bin ich gerne Demokrat, der undemokratische Mittel nutzt.« Wie passt das zusammen?
Das ist ein Paradoxon. Ich predige Toleranz, aber gegenüber Menschen, die intolerant sind, möchte ich bitte auch intolerant sein. Die AfD, aber auch Erdogan reiten darauf herum, dass sie gewählt worden sind. Das stimmt. Aber nur, weil man mit demokratischen Mitteln an die Macht oder ins Parlament gekommen ist, heißt das noch lange nicht, dass man Demokrat ist. Im Gegenteil: Diese Leute nutzen die Vorteile der Demokratie aus, um sie, sobald sie an der Macht sind, zu bekämpfen. Das berechtigt mich dazu, sie zu ächten und auszugrenzen, und ich wünschte, das täten noch viel mehr Menschen.

Wenn man Ihr neues Buch liest, wenn man Ihnen zuhört, meint man, der Umgang mit Pöblern sei quasi ein Kinderspiel. Sind Sie wirklich gestählt, oder lassen Sie sich doch hin und wieder erschüttern?
Ich lasse solche Gedanken ganz bewusst nicht zu, weil ich sehe, dass immer mehr Menschen, auch Kollegen, bei ihrer Arbeit eine Schere im Kopf haben, weil sie befürchten, rundgemacht oder bedroht zu werden. Das darf man nicht zulassen. Ende vergangenen Jahres habe ich nach einem Artikel zur AfD so viele Morddrohungen bekommen wie noch nie, jeden Tag mindestens ein Dutzend. Das macht etwas mit einem, natürlich. Aber ich mache weiter, ich muss weitermachen. Ich lasse mich nicht mundtot machen.

 

Eingefordert, hinterfragt, abgeschafft?

Solidarität und Corona – eine Presseschau

»In dieser Krise unbekannten Ausmaßes können wir uns glücklich schätzen, so große Solidaritätsressourcen in unserer Gesellschaft zu besitzen. Wir müssen aber ehrlich sein: Auch mit diesen Ressourcen gilt es sorgsam umzugehen und Spannungen zwischen unterschiedlichen Ansprüchen bedürftiger Gruppen fair auszuhandeln.«
Deutscher Ethikrat Pressemitteilung 04/2020

Solidarität ist ansteckend. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie unterstützen viele Menschen einander. »Hilfsbereites und kooperatives Verhalten ist so ansteckend wie das Virus.« Die Corona-Krise könne zum Wendepunkt werden, »hin zu einer Welt, in der Kooperation und Solidarität wichtiger werden als Profitstreben.«
DIE ZEIT Nr. 37/2020 2. September 2020

Solidarität verändert keine Strukturen – widerspricht der Soziologe Wilhelm Heitmeyer

Er beobachtet in der Corona-Krise viel Gesellschaftsromantik. »Die Hoffnung, dass Solidarität zu weitreichenden Neuentwicklungen in der gesamten Gesellschaft führe, sei naiv und problematisch«, sagte er im Deutschlandfunk. »In einem kapitalistischen Staat sei das kaum möglich.«
DlF 6. April 2020

»Heute findet man – Corona sei Dank – Solidaritätsbanner an jeder Supermarktkasse, Solidaritätsadressen auf unzähligen Facebook Accounts, Solidaritätsaufrufe in täglichen Regierungs- wie Nicht-Regierungs-Erklärungen. Plötzlich wird deutlich: Solidarität kann so einfach sein! Es reicht eigentlich schon, daheim zu bleiben, sich mit sich selbst zu beschäftigen und zwischendurch einen Gutschein für die Kultureinrichtung seiner Wahl zu erwerben, einzulösen nach dem offiziell ausgerufenen Krisenende.« 
FR 12. April 2020 Kommentar Applaus und Kulturgutscheine – reicht das wirklich?

Inzwischen ist aus »Zusammenhalten« ein »Durchhalten« geworden. Alle warten auf das Impfen. Und wie steht’s um die Solidarität?

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Ungelogen »Ehrlich gesagt«

Aus der Frankfurter Rundschau vom 15. Feburar 2021

Wozu brauchen wir diese Floskel? Was sagt sie über unser Verhältnis zur Wahrheit aus? Die Kolumne.
»Ich bin ehrlich gesagt wirklich sehr erleichtert.« »Es ist ehrlich gesagt schon erschreckend, was da an einem einzigen Renn-Wochenende passiert ist.« »Ehrlich gesagt, waren wir überrascht, weil die Inzidenz […] ja noch über 100 pro 100 000 Einwohner liegt.«

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Geschlechtersensible Sprache – Handreichung für Bremer Verwaltung

Geschlechtergerechte Sprache zu verwenden, ist der Verwaltung der Freien Hansestadt Bremen wichtig. Jetzt gibt es eine Orientierungshilfe, wie Personen aller Geschlechter angesprochen werden können: die »Handreichung gendersensible Sprache in der Bremer Verwaltung« liefert eine Vielfalt von Erklärungen, Hinweisen und Vorschlägen, wie Amtssprache nicht nur Männer, sondern Frauen, Trans- und Interpersonen gleichermaßen anspricht. Das im Aus- und Fortbildungszentrum angedockte Kompetenzteam Bürger:innenservice und Kommunikation hat auf 20 Seiten eine umfangreiche Sammlung vorgelegt, wie gendersensibel formuliert werden kann.

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Unwort des Jahres 2020: Geheimnis gelüftet – diesmal zwei Wörter gekürt

AKTION GEGEN UNANGEMESSENEN SPRACHGEBRAUCH

Was folgt auf den Begriff »Klimahysterie«?

Im vergangenen Jahr wurde der Begriff »Klimahysterie« zum Unwort des Jahres gekürt. Mit dem Wort würden laut Jury Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert sowie Debatten diskreditiert. Der Begriff war in der politischen Debatte insbesondere von AfD-Politikern immer wieder genutzt worden. Die Jury kritisierte neben »Klimahysterie« auch die Begriffe »Umvolkung« und »Ethikmauer«.

»Absonderung«, »Systemling“, »Wirrologen« oder »Grippchen«, sind unter anderem nach Angaben der Jury zum Thema Corona-Pandemie eingegangen. Am häufigsten seien aber »systemrelevant« (180) und »Querdenker« (116) zum fast alles beherrschenden Thema des Jahres 2020 vorgeschlagen worden. Es gab aber auch Vorschläge aus anderen Themengebieten. So seien im Zusammenhang mit Migration »Abschiebepatenschaft«, »Ankerkinder“ oder »Migrationsabwehr« vorgeschlagen worden.

Das Unwort des Jahres 2020 ist verkündet. Die sprachkritische Aktion soll auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Dieses Jahr gibt es ein Novum. Das Unwort des Jahres 2020 steht fest – dieses Jahr ist die Wahl erstmalig auf ein »Unwort-Paar« gefallen:

Rückführungspatenschaften
Corona-Diktatur

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Der Kampfpilot und die Kinder

Ein Lehrbeispiel für Humanität, Konfliktfähigkeit und das Wissen um die Bedeutung des Nachwuchses – US-Luftwaffen-Veteran Gail Halvorsen wird 100

Gail Halvorsen 2019 bei den Feierlichkeiten zu ‚70 Jahre Berliner Luftbrücke‘; Foto: dpa

Für die Kinder war er »Onkel Wackelflügel«. Auch als »Candy Bomber« oder Rosinenbomber-Pilot ging Gail Halvorsen in die Geschichte ein. Der US-Pilot, der während der Berliner Luftbrücke kleine Fallschirme mit Süßigkeiten abwarf, wird nun 100. Und er hat noch einen großen Wunsch.

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Gemüseladen

Was hat der Gemüseladen mit Werbung zu tun? 

Seit Jahrzehnten richten die Händler die Läden nach einem Muster ein. Das Frische, das Neue wird schön nach vorne am Eingang oder auf die Straße drapiert. So werden Kunden angelockt. Das haben wir uns zu Herzen genommen. Wir haben Nutzen definiert und bieten für jede Zielgruppe unterschiedliche Nutzen an. Das zeigen wir in unserem Clip, wie wir erfolgreich auf dem Meinungsmarkt agieren. Dazu hab ich mir den Clip wieder angesehen und direkt Appetit bekommen. Leckerer Salat und ein Glas Rose. Das war mein konkreter Nutzen. Hat auch gut geschmeckt. Was beinhaltet die Methode »Gemüseladen«? 

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»America first«

oder das organisationspsychologische Desaster…

Unabhängig von der politischen Einschätzung, fällt die organisationspsychologische Bewertung der Ära Donald Trump verheerend aus. Ob es nun Kalkül oder Unfähigkeit war, spielt, vor der dissozialen und psychopathischen Persönlichkeitsstörung des scheidenden amerikanischen Präsidenten, nur eine nachgeordnete Rolle – vermutlich war es beides.

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