Personalentwicklung für junge und alte Beschäftigte

Am 29. Dezember 2018 unterhielt sich der Moderator in der NDR-Radiosendung »Klassik auf Wunsch« mit einer Hörerin, die zuvor bei dem Sender angerufen hatte, um sich ein klassisches Musikstück zu wünschen, das für sie anschließend gespielt werden sollte. Er fragte nach ihrem Alter und ob sie selbst ein klassisches Instrument spiele. Die Hörerin antwortete, dass sie 89 Jahre alt sei und seit 82 Jahren Klavier spiele. 

Auf die weitere Nachfrage, ob sie sich – angesichts des bevorstehenden Jahreswechsels – für 2019 schon etwas vorgenommen habe, äußerte sie, dass sie im neuen Jahr das Mundharmonikaspielen erlernen wolle. Als Grund gab sie an, dass es nicht ausgeschlossen sei, dass sie in einigen Jahren bettlägerig werden könnte und sie dann auf das Klavierspielen verzichten müsse. Mit dem Erlernen des Mundharmonikaspielens könne sie auch – für den Fall der fortschreitenden Unbeweglichkeit – weiterhin musizieren zu können.

Betriebliche Personalentwicklung beschäftigt sich in erster Linie mit der Qualifizierung sowie der Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter*innen einer Organisation. Dabei haben diese Maßnahmen nicht nur das Ziel, Beschäftigte auf veränderte technische Rahmenbedingungen und Herausforderungen vorzubereiten, sondern sie beinhalten gleichzeitig die Förderung von Selbstbewusstsein und der Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Nicht zuletzt stellen sie ein mentales Training dar und beteiligen die Mitarbeiterinnen an der Verfolgung von gemeinsamen Unternehmenszielen.

Wenn es gelingt, nicht nur jüngere Beschäftigte für Qualifizierungsmaßnahmen zu begeistern, sondern auch die älteren noch für Veränderungen zu interessieren, ist nicht nur die Umsetzung von Arbeitsprozessen gesichert, sondern auch die Idee des lebenslangen Lernens umgesetzt. Sie dient nicht nur der Umsetzung von Unternehmenszielen, sondern fördert das Teamklima und die Zufriedenheit des Einzelnen. 

Dementsprechend sind also betriebliche Personalentwicklungsmaßnahmen für die Generation »60-plus« nicht als Aufforderungen für die nachfolgende Generation zu verstehen, sondern sie können genutzt werden, um auf den o.g. verschiedenen Ebenen zu wirken.

Wer mit 89 Jahren noch ein neues Instrument lernen will, um auf potentielle körperliche Einschränkungen vorbereitet zu sein, ist geistig deutlich frischer, als 40-60jährige Beschäftigte, die Fortbildung als ärgerliche Unterbrechung des Alltags verstehen – und Neuropsychologen verweisen beim lebenslangen Lernen auf positive Effekte bezüglich der Prävention von Demenz.

Foto: hohner.de
Text: Axel Janzen